Was ich noch sagen wollte

PhilPublica stellt vor

Titelbild: Oliver Schlaudt

Oliver Schlaudt

Senior Researcher am Center for Advanced Studies, Eurac Research, Bozen

Was war Ihr erster Kontakt mit der Philosophie?

Wie viele andere habe ich früh Nietzsche gelesen. Er hat mir gezeigt, wie viel Freiheit wir uns im Denken und Urteilen nehmen können – und auch sollten.

Was ist Ihr Lieblingszitat?

Hegel schrieb einmal über Macht, ihr Wesen sei „das Verkehrte dessen, was sie sein will“. Dieser Einsicht verdanke ich Kraft und Gelassenheit. Schon beim Lesen der Nachrichten habe ich die Worte immer im Hinterkopf.

Welcher Ihrer Texte liegt Ihnen besonders am Herzen?

Immer der, den ich gerade schreibe – im Augenblick dieser Fragebogen.

Was würden Sie gern besser können?

Singen.

Was ist Ihre Definition von Philosophie?

In der Naturwissenschaft habe ich gelernt, komplexe Phänomene auf eine kleine Zahl möglichst einfacher Prinzipien zurückzuführen. Im philosophischen Denken scheint mir das Umgekehrte zu passieren: Es zeigt sich, wie kompliziert und voraussetzungsreich Dinge sind, die ganz einfach, ganz „selbstverständlich“ scheinen. Und das geht dann so weiter: Was konkret schien, entpuppt sich als abstrakt, was abstrakt als konkret, was primär schien als abgeleitet und was abgeleitet als primär. Die Welt ist ganz anders, als wir denken.

Warum schreiben Sie für die außerakademische Öffentlichkeit?

Ich schreibe zunächst eigentlich für mich selbst – oft genug in einem Akt der intellektuellen Selbstverteidigung gegen die Zumutungen unserer Welt. Ich will ihr nicht einfach ausgesetzt sein, sondern wenigstens verstehen, was passiert. Wenn es einem damit ernst ist – was die „außerakademische Öffentlichkeit“ sofort spürt –, kann dabei auch ab und an etwas rausspringen, das auch für andere nützlich ist, und das gibt der Arbeit einen Sinn.

Worauf in der Zukunft sind Sie am meisten gespannt?

Meine erste Lieblingslektüre waren die Sagen der Welt, aber ein Motiv verstand ich als Kind nicht: die Faszination für Weissagungen. Warum sich für die Zukunft interessieren, wo doch die Abenteuer in der Gegenwart spielen? Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Ich stelle mir den Blick in die Zukunft wie die Timelapse-Funktion in Google Earth vor, nur in die Zukunft gewendet: Ich wähle auf der Karte mein Zuhause. Was sehe ich, wenn ich jetzt auf „2027“, „2030“, … „2050“ klicke? Ehrlich gesagt: Mir graut es davor.

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