Was ich noch sagen wollte

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Titelbild: Eva Weber-Guskar

Eva Weber-Guskar

Würden Sie Ihren Kindern dazu raten, Philosophie zu studieren?

Als Nebenfach oder vorübergehendes Projekt, im Sinne einer Schule des Denkens mittels Einübung ins klare Argumentieren und Begründen, würde ich es allen raten. Um mit Philosophie als Hauptfach langfristig glücklich zu werden, sollte man allerdings eine starke intrinsische Motivation mitbringen; das Staunen kennen und eine Ahnung, dass man durch Überlegungen irgendwie gewinnbringend darüber hinauskommen kann. Wenn man tiefer in die Ethik einsteigen will, ist vielleicht auch ein Blick auf die Dinge hilfreich, den eine Freundin mal als charakteristisch für mich bezeichnet hat: „Warum ist das so und nicht anders?“. 

Welche philosophische Auffassung, von der Sie einmal überzeugt waren, haben Sie aufgegeben?

In meinem Exposé zur Habilitation stand, dass ich menschliche Würde als eine ganz besondere Art von Wert erläutern möchte. Im fertigen Buch verteidige ich eine explizite Gegenposition dazu: Würde meint nicht den besonderen Wert eines jeden Menschen, sondern eine Haltung, in der Menschen leben. Dazwischen lag ein Forschungsjahr an der New York University, in dem ich mich intensiv mit Werttheorien und Metaethik beschäftigt habe. In dieser Ferne, räumlich wie philosophisch, wurde mir klar, dass es einen anderen Zugriff auf das Thema braucht, um etwas Erhellendes dazu sagen zu können, was uns zumindest im Deutschen mit dem Begriff der Menschenwürde umtreibt. 

Warum schreiben Sie für die außerakademische Öffentlichkeit?

Ich hoffe, anderen Menschen in kurzer Zeit ein paar (gar nicht spektakuläre, dafür aber einigermaßen haltbare) Einsichten zu ermöglichen, für die in der Philosophie lange nachgedacht wurde – da, wo man Zeit genau dafür hat. Außerdem stand ich in meinem Leben einmal an einer klaren Weggabelung: Soll es nun mit Journalismus oder Philosophie weitergehen? Ich habe mich für Philosophie entschieden. Nun freue ich mich, beides ein wenig verbinden zu können. 

Worauf kommt es Ihrer Ansicht nach besonders an, wenn man für die Öffentlichkeit schreibt?

Philosophie unterscheidet von anderen Wissenschaften, dass mit den „Ergebnissen“ niemand etwas anfangen kann, der sie nicht selbst über einige gedankliche Schritte hinweg erreicht hat. Wir können Außenstehenden nichts Informatives berichten wie „Wir haben das Grab von Tutenchamun gefunden“ oder „Die Impfung wirkt zu 95%“. Aussagen wie „Menschen haben einen freien Willen“ oder „Menschen haben keinen freien Willen“ vermitteln nicht das, was Philosophie eigentlich zu bieten hat. Es ist eine besondere Herausforderung, Menschen einen Gedankengang in aller Kürze so vorzustellen, dass sie ihn beim Lesen tatsächlich mitvollziehen können, und so etwas vom philosophischen Gehalt erfahren können, der immer mit einem systematischen Aufbau von Gedanken zu tun hat. 

Welches philosophische Problem wird am meisten überschätzt?

Alle ein bisschen – wenn ich mir nicht gerade selbst darüber den Kopf zerbreche. 
 

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